Hygrocybe quieta

Gebuckelter Saftling

(Kühner) Singer 1951
Familie: Hygrophoraceae
© Dieter Gewalt
Synonym: Hygrocybe obrussea
quieta = ruhig, schlafend
2 Fotos: Thomas Lehr

Um Pilze zu bestimmen, setzen wir in der Tat unsere 5 Sinne ein: Sehen (Auge), Schmecken (Mund) und Riechen (Nase) sind gut nachvollziehbar, Hören (Ohr) und Tasten (Finger) erscheinen für die Pilzkunde nicht so schlüssig zu sein. Ein unauffälliger Geruch oder Geschmack besagt nichts weiter, als dass etwas nicht auffällig riecht oder schmeckt. Beim Gebuckelten Saftling ist der Geschmack unauffällig mild, der Geruch aber deutlich nach Blattwanzen, weshalb er auch „Blattwanzen-Saftling“ genannt wird. Er ist tatsächlich der einzige Saftling, der nach Blattwanzen riecht. In dieser Gattung ist der Blattwanzengeruch also ein Alleinstellungsmerkmal! Beim Bestimmen von Pilzen spielen allerdings auch Mikromerkmale eine enorm wichtige Rolle. Ohne Mikroskop geht da oft nur wenig. Der Gebuckelte Saftling hat stets eingeschnürte Sporen, weshalb er auch „Schnürsporiger Saftling“ genannt wird. Der wissenschaftliche Artname „obrusseus“ bedeutet übrigens „feurig golden“, ein Merkmal, das mit dem Auge wahrgenommen wird aber nicht unbedingt und immer zutreffend ist. Auch der Buckel des Gebuckelten Saftlings kann abgeflacht sein. Diese Variabilität von Merkmalen ist bei den Pilzer leider ein Handicap, mit dem man rechnen muss.

Der Gebuckelte Saftling ist eine zerstreut in Deutschland vorkommende relativ kleine Art. Seine eher konisch als gebuckelt geformten matten, trockenen und dünnfleischigen Hüte werden meist nur 2 bis 5 cm groß. Die Farben variieren von zitronen-, gold-, bis dotterorangegelb, orangebraun gefasert, auch schwach oliv getönt, alt und nach längerem Regen grauend (Krieglsteiner) bis orange, gelb, grünlich, bis olivbräunlich (Winkler, Keller) und orangerot (123pilzsuche). Die entfernt stehenden bauchigen Lamellen sind gelblich bis orangerosa, auf den Flächen oft fein runzelig, die Lamellenschneiden heller. Die hohlen Stiele sind gelblich, an der Basis weiß. Sie werden bis zu 8 cm lang und 1 cm dick. Das Sporenpulver ist weiß.

Sporen zylindrisch, zum Teil deutlich eingeschnürt, 7 - 11 x 3,5 - 5,5 µm, vereinzelt große Öltropfen sichtbar

Zu finden ist der Gebuckelte Saftling auf Wiesen und Weiden, in Wacholderheiden, seltener auch in Waldlichtungen. Er bevorzugt basenreiche (alkalische) Böden. Verwechselt werden könnte er u. a. mit dem Gelbgrünen Saftling Hygrocybe citrinovirens.

Nicht endgültig geklärt scheint die Frage, ob Hygrocybe quieta eine gute eigenständige Art oder ein Varietät von Hygrocybe obrussea ist. Zitat Winkler & Keller (Pilze Mitteleuropas, 2024):

Hygrocybe quieta teilweise als eigene Art aufgeführt. GRÖGER 2006, CANDUSSO 1997, KRIEGLSTEINER 2001 und LUDWIG 2012 betrachten H. obrussea und H. quieta als Synonyme.“


Anmerkung von Thomas Lehr: Der Name quieta bzw. ursprünglich quietus (Kühner hat ihn 1947 als Hygrophorus quietus beschrieben) bezieht sich nicht unmittelbar auf lat. quietus = ruhig, schlafend, sondern auf Lactarius quietus (Eichenmilchling), der den gleichen Blattwanzengeruch hat.

Weiterführende Literatur:

  • Breitenbach & Kränzlin: Pilze der Schweiz Band 3, Nr. 95 (als Hygrocybe obrussea)
  • German J. Krieglsteiner (Hrsg): Die Großpilze Baden-Württembergs Band 3, Seite 69 – 71 (als Hygrocybe obrussea)
  • Rudolf Winkler, Gaby Keller: Pilze Mitteleuropas, Seite 197 (4.1.22)
Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 24. November 2025