Lecanora carpinea
Hainbuchen-Kuchenflechte
Bei einer Kartierungsexkursion in einem Naturschutzgebiet im Nordschwarzwald in der Nähe der Gemeinden Straubenhardt, Marxzell und Karlsbad, fanden wir auf der Rinde eines noch recht jungen Walnussbaums zahlreiche Flechtenarten. Darunter auch die Hainbuchen-Kuchenflechte Lecanora carpinea. Sie wirkt, bedingt durch die beige- bis ockerfarbenen, oft bereiften Apothecien, recht unscheinbar, so dass wir sie erst beim zweiten Hinsehen entdeckten.
Lecanora carpinea gehört zu den epiphytischen Krustenflechten mit Lagerrand und wächst auf der glatten Rinde zahlreicher Laubbaumarten (Hainbuche, Erle, Esche, Ahorn, Walnuss, Sorbus, Obstbäume usw). Sie ist eine Art mit breiter ökologischer Amplitude und kommt an vielen Orten, z.B. an Straßenbäumen, in Obstgärten oder auch in Wäldern vor. In der Roten Liste Flechten Deutschlands 2011 wird sie als ungefährdet aufgeführt.
Makroskopische Merkmale:
Auf weißgrauem, nicht sorediösem Lager (Thallus) erheben sich, teils dicht-an-dicht, die bis zu etwa 1 mm breiten Apothecien, mit beige- oder ockerfarbener, bereifter Scheibe und lagerfarbenem Rand („lecanoriner Rand“).
Tüpfelreaktionen: Um ähnlich aussehende Lecanora-Arten unterscheiden zu können, hat man ein besonderes Augenmerk auf die Tüpfel- und UV-Reaktion zu richten. Das sind die Farbreaktionen der einzelnen Flechtenteile mit Kalilauge (K), Calcium- oder Natrium-Hypochlorit-Lösung (C), para-Phenylendiamin-Lösung (P) und UV-Licht (UV). Für Lecanora carpinea gilt: Lager und Apothecienrand: K+ gelb, C-, P± leicht gelblich, UV-Apothecienscheibe: C+ gelborange, UV+ blassorange.
Kristalle:
Interessant sind die Kristallansammlungen im Apothecium: Epihymenium lt. WIRTH 1995 mit ± dicker Auflage feiner Kristalle versehen. Außerdem ist der Apothecienrand mit großen, unregelmäßig geformten Kristallen gefüllt.
Mikroskopische Merkmale:
Die Asci sind 8-sporig, die Sporen glatt, 1-zellig und liegen einreihig („uniseriat“) im Ascus.
Ähnliche Flechtenarten (nach Kirschbaum & Wirth 2010):
Durch die Gelbfärbung der Apotecienscheibe nach Zugabe von Natrium-Hypochlorit-Lösung ist unsere Lecanora carpinea leicht von anderen Lecanora-Arten zu unterscheiden. Eine Ausnahme bildet Lecanora subcarpinea, die zwar die gleiche C-Reaktion zeigt, jedoch mit 1 - 2 mm wesentlich breitere Apothecien aufweist und außerdem einen unberindeten Rand hat, der zudem mit para-Phenylendiamin-Lösung orangegelb bis orange reagiert (bei Lecanora carpinea nur leicht gelblich).
Ähnlich aussehen kann Lecanora albella (= L. pallida), eine Art luftfeuchter, schattiger Orte. Bei ihr reagiert die Apothecienscheibe mit para-Phenylendiamin-Lösung allerdings rot und nicht gelb.
Wenn Sie mehr über Flechten wissen wollen - hier erfahren Sie es >
Weiterführende Literatur:
- J.-P. Frahm, F. Schumm, N.J. Stapper: Epiphytische Flechten als Umweltgütezeiger, Seite 34 -36
- U. Kirschbaum & V. Wirth: Flechten erkennen - Umwelt bewerten, Seite 108
- F. Schumm: Epiphytische Krustenflechten, Seite 5
- V. Wirth: Die Flechten Baden-Württembergs, Seite 462-463, 467 - 468
- V. Wirth et al.: Rote Liste der Flechten und flechtenbewohnende Pilze Deutschlands, Seite 43
- V. Wirth & R. Düll: Farbatlas Flechten und Moose, Seite 163
- V. Wirth et al.: Die Flechten Deitschlands, Seite 565 - 566, 591
- V. Wirth & U. Kirschbaum: Die Flechten Mitteleuropas, Seite 64. 108 - 109
- https://italic.units.it/index.php?procedure=taxonpage&num=1185
- https://www.norbert-kuehnberger.de/pilzbildergalerie/D_Flechten-Lichenes_-_226_Arten/pilzbilder(18).htm