Boletus legaliae

Falscher Satansröhrling

Pilát 1968
Familie: Boletaceae
© Dieter Gewalt
Neuer Name: Rubroboletus legaliae, Synonyme: Boletus splendidus, Boletus satanoides
legaliae = zu Ehren des französischen Mykologen M. L. F. Le Gal
Wiesbaden, Park unter den Eichen (Foto: Christian Weinkötz)

Diese seltene Röhrlingsart wird auch Le Gal’s Purpur-Röhrling genannt; der deutsche Name „Falscher Satansröhrling“ steht auch für Boletus rubrosanguineus. Dies zur Information, um Verwirrung zu vermeiden. Beide gehören zu den wohl

attraktivsten und farbenprächtigsten Arten innerhalb der Gattung Boletus, den Purpur-Röhrlingen. Sie lassen das Herz eines jeden Pilzfreundes höher schlagen. Allerdings haben sich in der jüngsten Vergangenheit schon einige Mykologen an diesen wunderschönen Pilzen die Zähne ausgebissen. Und das nicht ohne Grund: Das größte Problem bei der Bearbeitung dieser Pilzgruppe ist deren enorme Seltenheit. Ist es doch gerade bei den Purpur-Röhrlingen besonders wichtig, möglichst viele Kollektionen zu Gesicht zu bekommen, um deren Variationsbreite genauestens studieren zu können. (Frank Röger, 2007)“

Mit dem Begriff „Variationsbreite“ wird eine Eigenschaft angesprochen, die im Reich der Pilze nicht nur für die Purpur-Röhrlinge gilt.

Beim Falschen Satansröhrling Boletus legaliae sind die bis zu 22 cm Ø großen, fein samtigen, im Alter verkahlenden Hüte heller oder dunkler graubraun, aber auch rosa oder rosa- bis karminrot, stellenweise etwas schwärzend oder auch nur mit rosa Flecken versehen. Sogar gelbliche Töne sind zu beobachten, so dass man festestellen kann: noch variabler geht kaum! Die Poren der Hutunterseite sind gelb, orange oder orangerot in allen denkbaren Übergangsvarianten. Der Röhrenboden (nach Entfernen der Röhrenschicht sichtbar) ist gelblich bis orange. Der jung bauchige, später keulige Stiel kann bis zu 6 cm dick und 10 cm lang werden. Seine Farben reichen von gelb an der Spitze bis zu rot an der Basis, wobei gelbliche Farben vorherrschen. Die Netzzeichnung ist oft nur schwach ausgeprägt und dann in der oberen Hälfte. Das Fleisch ist gelb und leicht blau verfärbend, zur Stielbasis hin in rötlich übergehend. Der Geruch wird als maggiartig (Liebstöckel) oder nach Sellerie beschrieben. Geschmack unauffällig, mild. Das Sporenpulver ist olivbraun.

Mikromerkmale (lt. Röger):
Sporen spindelförmig, (9,5) 11 – 13 x 4,5 – 5 µm. Hutdeckschicht ein Trichoderm aus (3,5) 5 – 8,5 (10) µm breiten Hyphen.

Der Falsche Satansröhrling Boletus legaliae ist ein in Mitteleuropa sehr seltener Mykorrhizapilz, der vor allem bei alten Eichen vorkommt. Erscheinungszeit ist Sommer bis Herbst. Er wird in Roten Listen für Deutschland in der Gefährdungsstufe RL 1 (vom Aussterben bedroht) geführt und darf nicht gesammelt werden.

Der Tintling 1/2007 (Heft 50) Seite 7: Boletus legaliae (oben) / Boletus rhodopurpureus (unten)

Verwechslungsmöglichkeiten:
Boletus satanas = Satansröhrling: weißer bis olivgrauer Hut ohne rosa Töne, auf Druck oder im Anschnitt nur leicht blauend, Röhren jung gelb, bald orange- bis purpurrot, Fleisch im Alter unangenehm aasartig riechend, Sporen 10 – 15 x 4 – 7 µm
Boletus rhodopurpureus = Blaufleckender Purpur-Röhrling: oft mehrere Farbtöne auf einem Hut (auf gelblichem Grund ockerlich, chrom- oder orangegelb, rosa, weinrötlich), auf Druck stark blauend, fast schwärzend; Poren orange bis blutrot (bei forma xanthopurpureus auch gelb); Röhren gelb, im Schnitt schnell und stark blauend, bis 1 cm lang; Röhrenboden zitronen- bis goldgelb; Hutrand krempenartig umgebogen
Boletus rubrosanguineus = Weinroter Purpur-Röhrling: eher schorfiger, felderig aufreißender Hut, Poren dunkler rot, nur jung auchgelblich, Sporen 11 – 14 (18) x 4,5 – 6 µm
Boletus rhodoxanthus = Blasshütiger Purpur-Röhrling: grauweißlicher Hut mit zartrosafarbenen Anteilen, Poren blutrot, jung aber auch gelb. Geruch schwach, etwas säuerlich (nicht maggiartig)
Boletus calopus = Schönfuß-Röhrling: selten im Flachland, in höheren Lagen deutlich häufiger. Stiel schlanker als bei den zuvor genannten Arten, deutlich auf ganzer Länge mit Netz. Fleisch im Anschnitt sofort blauend, Geruch säuerlich (nicht maggiartig)

Weiterführende Literatur:

Alle Fotos, wenn nicht anders angegeben, von Dieter Gewalt.
Zuletzt aktualisiert am 25. September 2025